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Zum Ende der Seite springen 108 Fragen zum freien Willen...
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Penzy


Dabei seit: 04.12.2006
Beiträge: 252
Herkunft: NRW

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"108 Fragen zum Freien Willen

Als ich ein Kind war, konnte man auf dem Jahrmarkt so tun, als ob man in einem kleinen Auto im Kreis führe. Es hatte ein Steuerrad, das beweglich war, aber das Fahrzeug wurde automatisch von unten bewegt und gesteuert. Da man instinktiv das Steuer in die Richtung drehte, in die sich der kleine Wagen bewegen mußte, war es schwer, nicht daran zu glauben, daß man das Auto lenkte, und noch schwerer, mit dem Lenken aufzuhören und es einfach den Weg nehmen zu lassen, den es nehmen würde, denn das hätte zu einem Unfall führen können. Genau so ist unser willentlicher Lebensweg."
(Wei Wu Wei: Die einfache Erkenntnis)

Haben wir Menschen einen freien Willen? Welche Bedeutung hat "Freier Wille"? Ist das Konzept eines freien Willens eine Erfindung, gedacht andere Menschen zu beherrschen? Ihnen Schuldgefühle zu geben, ihnen Illusionen bezüglich ihrer Macht zu geben?
Ist diese Idee ein Produkt der Empfehlung "Teile und herrsche!"? Sind es nur "ausgewählte" Menschen (zum Beispiel die Herrschenden), die einen freien Willen haben? Machen diese mit dem Rest der Menschheit, was sie wollen, oder unterliegen sie sogenannten Sachzwängen und können auch nicht anders?
Ist die Vorstellung eines freien Willens verbreitet worden, um besser manipulieren zu können? Um andere Menschen (amtlich "Staatsbürger" genannt) legitim (hin-)richten und bestrafen zu können? Um zur Durchsetzung unserer Rechtsvorstellungen sogar psychische und körperliche Gewalt (bis hin zum Mord) anwenden zu dürfen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen? Hatten sie nicht die freie Wahl, gut oder böse zu handeln? Hatte eigentlich ein Opfer die Wahl, Opfer zu werden? Wenn ja, warum ist der Täter dann schuldig? Wenn nein, wo bleibt denn der freie Wille des Opfers, diese Erfahrung zu vermeiden? Warum glauben wir, daß das Opfer keine Wahl hatte, der Täter aber schon? Hat das Opfer die Möglichkeit, unter der zugefügten Tat zu leiden und die Möglichkeit, darunter nicht zu leiden? Glauben wir vielleicht, daß wir dem Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn!" nachhelfen müssen indem wir bestrafen? Sind wir uns denn so sicher, daß ein entwischter Verbrecher die Folgen seiner Taten nicht zu tragen hat?

War ich jemals frei, etwas zu wollen oder nicht zu wollen? Ist der Wille nicht ein Resultat meiner persönlichen Anlage und meiner Geschichte? Was verliere ich, wenn ich den freien Willen verliere? Verliere ich nicht bloß die Idee, ein eigenständig Handelnder zu sein? So etwas wie eine unabhängige Insel im Universum? Ist der Moment der Entscheidung etwas anderes als das Sichbewußtwerden einer längst beschlossenen Sache? Stehe ich nicht ständig hier und kann nicht anders? Sind Alternativen mehr als Phantastereien? Lebe ich denn oder werde ich nicht vielmehr gelebt?
Wenn ich etwas will, bin ich unabhängig vom Gewollten? Ist "frei" und "Wille" nicht ein Widerspruch in sich? Bin oder war ich jemals frei, irgendetwas Beliebiges zu wollen? Wer entscheidet denn darüber, was mir überhaupt als wünschenswert erscheint? Entfaltet sich mein Leben nicht nach seiner inneren Gesetzmäßigkeit? Wenn nicht: Was könnte das bedeuten? Folge ich vielleicht einer äußeren Gesetzmäßigkeit? Was ist überhaupt innen, was außen?
Will ich etwas nicht und tue es trotzdem, heißt das denn nicht nur, daß ich zwei starke Strömungen in mir habe, wie immer der stärkeren folge, die schwächere aber bestehenbleibt und sich daher lauter denn je zu Wort meldet? Geschieht mir etwas, das ich nicht will, was nützt es mir, es nicht zu wollen? Woher kommen die Grundlagen für meine Entscheidungen, für die Ausübung meines freien Willens? Was bedeutet eigentlich Freiheit in der Welt des "Ich will das (nicht)!"? Was also, so muß man fragen, ist freier Wille in einem Zusammenhang von Subjekt und Objekt? Kann ein getrenntes Wesen überhaupt frei sein? Ist die Entscheidung für Trennung, für "Ich bin das und jenes nicht.", denn nicht definitionsgemäß eine Einschränkung und damit automatisch eine Beeinträchtigung der Freiheit? Hatte ich eine Wahl, diese Entscheidung zu treffen oder zu verwerfen?
Ist Wille etwas anderes als das Hervorbrechen der aufgestauten Lebenskraft? Ist das ein persönlicher Vorgang? Was ist "Person" anderes als eine Sammlung ausgewählter Gedanken, die meinen Willen konditionieren? Ist es nicht befreiend, keine Wahl zu haben, nichts falsch oder richtig machen zu können? Ist es eine Erleichterung zu denken, daß ich als Teil der Welt eine Maschine, ein lernfähiges Computerprogramm bin? Liegt Freiheit im Spielen und Sich-Erfreuen am Ablauf des Lebens?

Was hat mein Leben mit mir zu tun? Bin ich mehr als mein Leben? Wer bin ich?

Bin ich verantwortlich für meine Entscheidungen? Was bedeutet "Verantwortung"? Ist ein Programm schuld an dem, was es aus eingegebenen Daten macht? Kann ich mein Programm nach Belieben ändern? Bin ich vielleicht erst ohne Programm ein lebendiger Mensch? Bin ich mit einem solchen ein lebendiger Mensch? Ist "Mensch" nicht nur der Name für eine große Gruppe ähnlicher Verarbeitungsprogramme und ein persönlicher Name (wie etwa "Hans Huber") die Bezeichnung der jeweiligen adaptierten Version? Wenn wir nur Computer sind, die miteinander spielen, arbeiten, kämpfen usw., wer sitzt dann vor dem Bildschirm? Sitzt jemand vor der Maschine? Woher kam das erste Programm? Sitzt vor jeder Maschine ein anderer (vielleicht eine "Seele")? Oder ist der Programmierer längst nach Hause gegangen und hat sein Werk sich selbst überlassen? Welchen Sinn hat das?

"Dein Wille geschehe!" - Was aber ist "Dein Wille"? Heißt das nicht vor allem auf das Konzept eines eigenen, persönlichen ("freien") Willens zu verzichten? Heißt das nicht einfach, Hingabe zu wählen? Hingabe an das, was geschieht - Widerstand aufzugeben? Aber auch das tun, was ich schon immer tun wollte? Das tun, was notwendig ist? Ohne lang zu fragen, was richtig ist? Heißt das nicht, seinen Impulsen zu vertrauen, ihnen zu folgen, sie als göttlich anzunehmen? Liebe statt Vernunft? Dorthin gehen, wo es mich hinzieht, nicht dorthin, wo es "richtig" wäre?

Wenn wir an freien Willen glauben, warum manipulieren wir ständig unsere Kinder und schicken sie zur Schule? Muß ein Mensch erst zurechtgestutzt werden, um seinem freien Willen folgen zu dürfen? Kann ein Mensch denn zurechtgestutzt werden (zu Recht gestutzt werden)? Oder helfen unsere Schulen vielleicht einem Kind, seinen Willen verwirklichen zu können? Wozu dann Lehrpläne und Benotung?

Welche Seriennummer haben Sie eigentlich? ("Wie heißen Sie?")
Welches Baujahr? ("Wie alt sind Sie?")
Welches Betriebssystem? ("Männlich oder weiblich?")
Sind Sie mit anderen Maschinen vernetzt? (Ledig, verheiratet, geschieden; Kinder?")
Welche Programme sind Ihnen eingespeichert? ("Beruf, Schulbildung?")
Welche Energieversorgung benötigen Sie? ("Welche Einkünfte haben Sie?")
Haben Sie Anti-Virusprogramme? ("Kinderkrankheiten; Schutzimpfungen?")


Ist es richtig und wichtig, diese Fragen zu stellen? Ist es falsch und kräfteraubend, diese Fragen zu stellen? Oder bloß unnötig und unproduktiv? Haben Sie eigentlich einen freien Willen? Wenn ja, wie drückt sich dieser aus? Und wozu?
Können Sie auf Ihren freien Willen verzichten? Ist der Wille tatsächlich frei, müßte das möglich sein, oder etwa nicht? Können Sie aber verzichten ohne auf Ihr Ich zu verzichten? Bleibt etwas, wenn kein eigener Wille da ist? Was bleibt? Wer sind Sie, wenn Sie nicht wollen und nicht nicht-wollen? Ist "Ich" und "Wille" dasselbe?

Hat es jemals ein Ich gegeben?

Ich habe lange Jahre damit verbracht,
mit aller Kraft den Deckel auf einen Topf zu halten,
in dem ich eine ungeheure Bombe wußte.
Ich war sicher, die Welt würde explodieren,
wenn ich die Kontrolle über den Deckel verlöre.

Ein Augenblick des Loslassens genügte!
Ein winziges Rauchwölkchen verpuffte im blauen Himmel
und übrig blieb -
der leere Topf.

Was für eine Erleichterung!

Ich habe beide Hände frei um zu tun,
was immer ich möchte -
zum Beispiel um sie in den Schoß zu legen!
(Iris Lindner)"

Aus "Subhash - Sei still".

Herzlichst
Euer Penzy

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Penzy: 07.09.2007 09:19.

07.09.2007 08:57 Penzy ist offline Beiträge von Penzy suchen Nehmen Sie Penzy in Ihre Freundesliste auf
Roland Roland ist männlich


Dabei seit: 24.07.2006
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RE: 108 Fragen zum freien Willen... Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Sicher interessante Fragen, die aber schon ziemlich weit vom eigentlichen Thema des Forums abschweifen.

Meine persönlichen Antworten:
Ja, wir haben einen freien Willen
Ja, dieser wird durch verschiedene Einflüsse geprägt und eingeengt
Ja, oft bleibt uns daher kaum eine Wahl
Nein, es ist nicht befreiend, den freien Willen zu leugnen und uns zu deterministischen Maschinen degradieren zu lassen.

"Verantwortung" bedeutet, die Konsequenzen meines Handelns zu tragen - sowohl als Individuum, als auch als Teil der menschlichen Gemeinschaft.

Das Leben ist ein Lernprozess, den freien Willen zu beherrschen. Man muss das natürlich auch "wollen". Bei Kindern ist der Wille noch wild und ungezügelt. Oft erscheint er uns Erwachsenen "falsch" und "gefährlich" und oft ist das auch TATSÄCHLICH so. Deshalb müssen wir lernen und lehren. Dass in Erziehungsanstalten und Familien nicht immer "richtig" oder "ideal" (wenn es sowas gibt) gelernt wird, steht hier außer Frage.

Die religiöse Sicht postuliert den "Willen" des Schöpfers, der alles "gut" geschaffen hat, der aber auch andere Wesen (z.B. uns) geschaffen hat, die selbst einen freien Willen haben und sich deshalb gegen den Willen des Schöpfers stellen können. Das oberste Gebot des Satanismus lautet: "Tu was Du willst." Damit wird der eigene Wille als höchstes Gut erklärt und der Wille des Schöpfers ignoriert. Sicher eine knifflige theologische Frage, wozu der Schöpfer uns einen freien Willen gegeben hat, wenn wir ihn dann nicht "willkürlich" ausleben sollen. Ist für mich aber durchaus einsichtig - selbst wenn wir im Einklang mit dem Willen des Schöpfers handeln, ist es immer noch unser eigener Wille, aus dem heraus wir das tun. Zumindest sollte es idealerweise so sein.

LG,
Roland

__________________
Immer wenn du auf der Seite der Mehrheit stehst, ist es an der Zeit, innezuhalten und nachzudenken (Mark Twain)
07.09.2007 10:25 Roland ist offline E-Mail an Roland senden Beiträge von Roland suchen Nehmen Sie Roland in Ihre Freundesliste auf
Penzy


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RE: 108 Fragen zum freien Willen... Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Roland:
""Verantwortung" bedeutet, die Konsequenzen meines Handelns zu tragen -"

- hat weniger mit einer willentlichen Entscheidung zu tun, sondern eher mit einer Schuldfrage.

Wenn ich z. B. an einem Verkehrsunfall juristisch gesehen, "Schuld" habe, heißt das immer, dass ich ihn "willentlich" herbeigeführt habe?

Man möge mir das Abschweifen zu solch einem Thema verzeihen.

Herzlichst
Penzy
07.09.2007 17:15 Penzy ist offline Beiträge von Penzy suchen Nehmen Sie Penzy in Ihre Freundesliste auf
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