Rapsöl schädigt das Gehirn?

Rapsöl: Ja oder nein? Zum Rapsöl werde ich öfter mal gefragt, verbunden auch mit der Frage, ob Rapsöl das Gehirn schädige.

Nun, ich selbst verwende kein Rapsöl, weswegen ich mich mit der Frage danach gar nicht weiter beschäftigt hatte. Ein kurzer „Check“ sagte mir, dass ich das sicher nicht brauche. Aber schädigt Rapsöl das Gehirn?

Auf der Suche nach Antworten stieß ich (natürlich) sofort auf die sogenannten „Faktenchecker“ – die neuen selbsternannten „Wächter“ des Internets.

Also: im Januar von 2020 brachten die Faktenchecker von Mimikama einen „Faktencheck“[1] zum Rapsöl und den damit verbundenen Warnungen vor einem großzügigen Gebrauch heraus. Sie fragten sich, ob die Warnungen gerechtfertigt seien.

Der Beitrag rieb sich an einem Artikel von „gesundmagazin“, deren Webseite anscheinend nicht mehr verfügbar ist. Daher kann ich die hier kritisierten Behauptungen nicht mehr über das Original verifizieren. Denn Mimikama versteigt sich zu etlichen Behauptungen.

Rapsöl genetisch modifiziert – ja oder nein?

Wer hat das Rapsöl denn genetisch modifiziert? Oder ist die Pflanze, die das Öl synthetisiert, genetisch modifiziert? Ich weiß, Haarspalterei, aber dennoch Ausdruck für eine mangelhafte Erfassung der grundlegenden Fakten.

Die Faktenchecker erklären stolz, dass der englische Name für Rapsöl „Canola Oil“ sei, was für „Canadian oil, low acid“ (Kanadisches Öl, wenig Säure“) stehe. Soweit so gut.

Das originale Rapsöl wurde früher aus ursprünglichen Rapspflanzen gewonnen, deren Öl (Rübsamenöl) mehr als 50 % Erucasäure enthielt. Und diese Säure vermittelte dem Öl nicht nur einen unvorteilhaften Geschmack, sondern war auch gesundheitlich abträglich, da sie pathologische Veränderungen des Herzmuskels, Herzverfettung und Wachstumsverzögerungen im Tierversuch gezeigt hatte.

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Daher war es angezeigt, einen Raps zu züchten, der weniger Erucasäure beinhaltete.

In den 1960er Jahren begannen dann Versuche, Rapspflanzen zu züchten, die sehr wenig Erucasäure entwickelten. 1962 gelang es dann, das zu züchten, was wir heute als „Canola“ kennen. In der Bundesrepublik wurde ab 1976 der gesamte Anbau von Raps auf diese Sorte erucasäurearme Rapssorte umgestellt.

Raps gehört zu den ersten Nutzpflanzen, die als gentechnisch veränderte Varianten mit niedrigem Erucasäure-Gehalt und anderen Modifikationen großflächig zum Einsatz kamen. Bereits im Jahr 2007 betrug die Anbaufläche für den GMO-Raps über 82 % in den USA, 87 % in Kanada und Australien.

In der EU gibt es genetisch modifizierten Raps nur für die Tierfütterung oder industrielle Verwendungszwecke. Damit kann man zu einem gewissen Grad davon ausgehen, dass die in Deutschland verkauften Rapsöle noch aus gezüchteten und nicht GMO-Pflanzen gewonnen werden.

Der Beitrag unserer Faktenchecker jedoch geht mit keinem Wort auf die Tatsache ein, dass in Amerika bis zu 90 % des dort handelsüblichen Rapsöls unter der Bezeichnung „Canola oil“ als ein Rapsöl aus GMO-Pflanzen stammt. Stattdessen verharmlost man dieses Rapsöl, indem man den Eindruck erweckt, dass es sich hier um „natürliches Rapsöl“ handele. Denn, wer kein „Canola oil“ nutzen will, der muss Öl von der unveränderten Pflanze nehmen, und da wird man dann angeblich vergiftet…

Rapsöl und Alzheimer?

Hier zitieren die Faktenchecker eine Studie[2], die diesen Zusammenhang nahelegt, allerdings nur an Mäusen. Die Autoren sahen hier, dass bei einer chronischen Ernährung (in der Studie sechs Monate) mit großen Mengen an Canola-Öl, die betroffenen Mäuse einen signifikanten Zuwachs an Körpergewicht verzeichneten, begleitet von einer Einschränkung des Erinnerungsvermögens und einem Verlust von spezifischen Proteinen, die die Funktionalität der Nerven-Synapsen aufrecht erhält.

Außerdem zeigte sich einer Erhöhung von Amyloid-Plaques, die angeblich für die Entstehung von Alzheimer verantwortlich gemacht werden.

Die Kritik der Aussage von „gesundmagazin“ seitens Mimikama war, dass es ja nur eine einzige Studie wäre, die da mal was dazu gesagt hätte. Jedoch ein paar Absätze später sind es dann schon zwei Studien, die jetzige aus dem Jahr 2017 und eine Studie von den gleichen Autoren aus dem Jahr 2015. Danach wird die Studie kritisiert, die das Alter der Mäuse angeblich nicht angegeben hätte.

Wenn man die Studie nicht nur bis zum Abstract liest, dann hätten die Kritiker feststellen können, dass die Autoren angegeben hatten, dass am Ende der Studie die Mäuse zwölf Monate alt waren. Also auch hier wieder ein chronisches Überschauen von Fakten seitens der Checker.

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Nur eine Studie?

Wir hatten bereits festgestellt, dass die eine Studie dann plötzlich doch zwei Studien waren, aber mit den gleichen Autoren. Zählt dann die eine Studie nicht mehr? Wenn die nicht mehr zählt, warum wird die dann veröffentlicht?

Die positive Einstellung von Mimikama zum Rapsöl kann ich nur aus einer Studie ableiten, die 2013 veröffentlicht wurde. Die nannte sich „Beweise für den gesundheitlichen Nutzen von Canola-Öl“[3].

In dieser „Studie“ fuhren die Autoren alles auf, was man an positiven Eigenschaften in der Rumpelkammer der Wissenschaft hatte finden können: Über eine „Literatur-Recherche“ fand man heraus, dass das Öl Cholesterin senkt, Tocopherol (Vitamin E-Bestandteil) erhöht, Insulinempfindlichkeit verbessert etc.

Meine „Literatur-Recherche“ dieser Veröffentlichung dagegen ergab, dass diese „Studie“ von diesen Herrschaften finanziert wurde: Der „ Canola Council of Canada and the U.S. Canola Association“. Oder mit anderen Worten: Die Canola-Öl-Industrie ließ bitten.

Und vier der sieben Autoren erhielten finanzielle Zuwendungen von einer der beiden oder beiden Institutionen. Ich frage mich, wie viel Mimikama wohl bekommen hatte?

Das Szenario erinnert mich an die Tabakindustrie, die vor ca. 50 Jahren eine ähnlich „wissenschaftliche“ Propaganda veröffentlichte, die die Unschädlichkeit des Rauchens „beweisen“ sollte.

Was jetzt noch kommt, kann man nicht mehr Mimikama anlasten, da deren Beitrag im Januar 2020 das Licht der Welt erblickte. Hätte man nur noch ein wenig gewartet und sich dann auch noch genauer informiert …

Im Januar 2020…

… erschien eine brasilianische Studie[4], in der die neurologische Entwicklung und das Verhalten von neugeborenen Ratten untersucht wurde, deren Mütter während der Schwangerschaft mit einer fettreichen Diät gefüttert worden waren, entweder mit Schweineschmalz oder Canola-Öl.

Die Autoren beobachteten hier, dass eine Diät mit Schmalz oder Canola-Öl während der Schwangerschaft zu einer Beeinträchtigung der neurologischen Entwicklung führte, begleitet von Übergewicht, kürzeren Schwimmzeiten beim Schwimm-Test und einem höheren Grad von Unruhe.

Im August 2020…

… untersuchten iranische Wissenschaftler den Einfluss von Canola-Öl und Olivenöl auf Plasmalipide, Lipoprotein-assoziierte Phospholipase A2 (Lp-PLA2) und entzündungsfördernde Zytokine bei Patienten, die sich einer koronaren Angiografie unterzogen.[5]

Hierzu muss vermerkt werden, dass die Lp-PLA2 ein Enzym ist, welches als ein neuer Marker für Arteriosklerose und Herzinfarkt gilt. Das Enzym ist verbunden mit LDL und zu einem geringen Maße mit HDL.

Der Vergleich zwischen den beiden Ölen zeigte bei den Patienten, dass Canola-Öl die Konzentrationen an Lp-PLA2 senken konnte, allerdings nicht signifikant im Vergleich zum Olivenöl. Olivenöl dagegen senkte signifikant die Konzentrationen von entzündungsfördernden Zytokinen (Interleukin-6).

Die Studie war mit 48 Probanden relativ klein, sodass keine weitreichenden Folgerungen aus den Ergebnissen geschlossen werden können. Aber es hat den Anschein, dass Canola-Öl keinen Einfluss auf die Entzündungshemmung im Organismus hat, im Gegensatz zu Olivenöl.

Das könnte auch relevant für Entzündungsvorgänge im Gehirn sein, die inzwischen als der vermutlich bedeutendste Faktor für Gewebeschäden angesehen werden.

Im Februar 2021…

… veröffentlichten indische Wissenschaftler eine Arbeit, in der Ingwer- und Kurkuma-Lipidlösungen untersucht wurden, inwieweit sie oxidativen Stress im Gehirn verhindern und kognitive Funktionen von Ratten verbessern konnten, die durch erhitztes Öl ausgelöst worden waren.

Die Ratten wurden mit einer Diät versorgt, die unter Verwendung von erhitztem Canola-Öl und erhitztem Sonnenblumenöl zubereitet worden waren. Als Kontrollgruppe wurden Ratten mit den erhitzten Ölen plus Ingwer beziehungsweise Kurkuma versorgt.

Die Ratten mit den erhitzten Ölen zeigten ein Nachlassen der Gedächtnisleistung, eine Einschränkung der Bewegungskoordination, eine Absenkung der antioxidativen Enzyme und eine Deaktivierung von NRF2, einem Transkriptionsfaktor, der gegen oxidativen Stress wirksam ist. Diese Beobachtungen konnten bei den Mäusen mit der Kurkuma und Ingwer Diät nicht beobachtet werden.

Daher schlossen die Autoren, dass eine dauerhafte Einnahme von erhitzten Ölen zu Funktionsstörungen des Gehirns führt. Lipidlösungen mit Ingwer und Kurkuma, die beim Erhitzen in das Öl übergehen können, verhindern bei Ratten den durch erhitzte Öle ausgelösten oxidativen Stress und die kognitive Dysfunktion.

Für die Beurteilung von Canola-Öl heißt das, dass die Verwendung bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln diesen Prozess permanent vermittelt. Denn kaum jemand wird Ingwer oder Kurkuma im fettlöslicher Form bei der Zubereitung hinzufügen. Und damit hätten wir ein Gefährdungspotenzial für unvorteilhafte Prozesse im Gehirn.

Fazit

Nach den jüngsten Forschungsergebnissen sieht es nicht besonders günstig aus für den langfristigen Verzehr von Rapsöl und die neurologische Gesundheit seiner Anwender. Und es sieht nicht gut aus für den „Faktencheck“ von Mimikama, die wieder mal die wesentlichen Arbeiten verpasst haben oder haben verpassen wollen.

Ein kurzer Nachschlag:

Gegen Schluss behauptet Mimikama, dass die Behauptung, dass Schwefel im Rapsöl sei, falsch ist. Schwefel würde nur für die Düngung verwendet und befinde sich „überhaupt nicht im Rapsöl selbst“.

Eine Arbeit[6] aus dem Jahr 1988 zeigt, dass Canola-Öl etliche Mengen an Schwefel enthält. Dies scheint so viel zu sein, dass man gezwungen ist, diesen Schwefel zu entfernen. Wodurch? Hauptsächlich durch Erhitzen (und andere Techniken). Aber wir haben soeben gehört, dass Erhitzen von Canola-Öl keine gute Idee ist.

Da Mimikama nur eine Arbeit nicht als ausreichend erachtet (das macht man nur dann, wenn man selbst nur eine Arbeit zur Hand hat), hier noch eine zweite Arbeit[7] aus dem Jahr 1989. Auch hier geht es um die Bestimmung von Gesamt-Schwefel im Canola-Öl. Der betrug 22,5-34,2 mg/kg.

Auch hier werden Temperaturen von unter 210 °C empfohlen, um den Schwefelgehalt zu senken. Offen bleibt hier, ob dieses Canola-Öl für industrielle Zwecke oder auch als Nahrungsmittel Verwendung findet.

Wenn das schwefellose Mimikama-Öl keinen Schwefel enthält, dann nur, weil zuvor große Mengen davon aus dem Öl entfernt werden mussten. Ob dies wirklich zu 100 % gelingt, darf bezweifelt werden.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den “5 Wundermitteln” ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Quellen:

[1]     Sind die Warnungen vor Rapsöl gerechtfertigt? (Faktencheck)
[2]     Effect of canola oil consumption on memory, synapse and neuropathology in the triple transgenic mouse model of Alzheimer’s disease SpringerLink
[7]     Sulfur and Chlorophyll Content of Ontario Canola Oil – ScienceDirect

Dieser Beitrag wurde am 12.10.2022 erstellt.

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