Das liest man doch gerne

faz.net (9.4.)

»… Vielen galt der spleenige Lauterbach als Hoffnungsträger, der endlich für einen klaren Kurs in der Pandemiepolitik sorgen sollte.

In der SPD aber rollten schon damals viele mit den Augen – bis hinauf zu Scholz, der sich bei der Nominierung erst spät dem Druck der Straße beugte. Denn Lauterbach hatte zwar Ahnung von der Materie, stand aber auch im Ruf, ein eigenwilliger Einzelkämpfer zu sein. Lauterbach kann Talkshow, hieß es damals, er ist der König von „Markus Lanz“. Aber kann er auch Minister?

Ein Kommunikationsdesaster

Nach dieser Woche, in der Lauterbach gleich zweimal katastrophal gescheitert ist, dürfte diese Frage für viele endgültig entschieden sein…

Dass Lauterbach den Entschluss, den er zuvor gemeinsam mit den Gesundheitsministern der Länder gefasst hatte, eigenmächtig zurücknahm, zeuge von „irritierender Wankelmütigkeit“, ätzte Bremens Regierungschef und Lauterbachs Parteifreund Andreas Bovenschulte. Es war nicht der erste kommunikative Fauxpas, den der Gesundheitsminister sich leistete. Schon jetzt ist das Vertrauensverhältnis der Länder zu Lauterbach dort angekommen, wo es unter Spahn erst später war: ganz unten.…

Gerade Lauterbachs Isolationspflicht-Debakel dürfte Wasser auf die Mühlen derer gewesen sein, die das Virus schon für besiegt halten. Olaf Scholz, der einst die allgemeine Impfpflicht versprach, reagiert auf solche Niederlagen wie immer: Er schweigt. Lauterbach hingegen verstrickt sich unter Druck in Widersprüche, rudert vor und zurück. Krisenfest und standhaft wirkt das nicht…

Manchmal sieht man [Lauterbach] an, wie weh ihm das tut. Das Problem ist nur: Diesen Spagat zwischen Überzeugung und Realpolitik glaubhaft zu bewältigen gehört zur Stellenbeschreibung. Ein Traumjob ist das nicht. Vielleicht dämmert Lauterbach das jetzt auch.«

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