Eine Virus-Infektion der marinen Braunalge Ectocarpus siliculosus

Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft Botanica Acta 103 (1990), Nr. 1, Februar 1990:

Eine Virus-Infektion der marinen Braunalge Ectocarpus siliculosus (Phaeophyceae)

D. G. Müller, H. Kawai*, B. Stache und S. Lanka / Juli 1989
Fakultät für Biologie der Universität Konstanz
*Botanische Abteilung der Fakultät der Wissenschaft der Universität Hokkaidō, Sapporo 060, Japan

Labor-Kulturen von aus Neuseeland stammenden Ectocarpus siliculosus zeigten Fehler in der Gametangium-Formation. Die Kernteilungen bei Gametangium waren nicht von der Bildung von Zellwänden begleitet.

Daraus ergaben sich Zellen mit Mehrfachkernen, in denen der DNA-Gehalt dramatisch anstieg, sodass bereits kleinste Membranbestandteile zerfielen. Zum Teil enthielten die inneren Strukturen hexagonale Partikel mit Durchmessern um 130 Nanometer. Diese konnten isoliert und mittels Elektronenmikroskop sichtbar gemacht werden. Es zeigte sich, dass sie aus einem dichten Kern bestehen, der von einer dreischichtigen Hülle umgeben ist. Sobald ihre Heimzelle zerplatzte, entluden sie sich ins Kultivierungsmedium.

Gesunde Ectocarpus Keimzellen (Gameten) konnten durch diese Partikel infiziert werden. Die daraus resultierenden Partheno-Sporophyten waren von pathologischen Symptomen begleitet, gerade so, als seien diese Partikel Viren gewesen.

Die Ausprägung dieses Defekts ist allerdings temperaturabhängig. Bei zehn Grad Celsius entwickelte sich die Gesamtheit der Gametangien anormal, während zwischen 15 und 20 °C beschädigte und normale Gametangien und Gameten parallel auf derselben Pflanze vorkamen. Wenn sich Partheno-Sporophyten aus derartigen Gameten entwickeln, trägt die Pflanze diese viralen Partikel in sich, was sich an einer Deformation der uni- und multilokulären Sporenbehälter zeigte.

Den Original-Artikel in englischer Sprache finden Sie unter diesem Link:
https://web.archive.org/web/20190728140327/agenda-leben.de/Botanica_Acta.pdf